Autor Peter Brunnert ist mit viel Humor in die Welt der Bergsteiger eingetaucht. Seine Lesung im Rahmen der Literaturtage lockte am Ende aber nur wenige Zuhörer in das Vereinsheim des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Lahr. Es ist müßig darüber nachzudenken, ob es an der Konkurrenz von “König Fußball” lag oder an der momentan doch recht schwer zu findenden Zufahrt zum Kletterturm am Mauerfeld. Norbert Klein und der Vorstand der Lahrer Sektion des Deutschen Alpenvereins hatten am Donnerstagabend definitiv mehr Resonanz für ihr Debüt bei den Literaturtagen “Orte für Worte” erwartet.

Brunnert ist ein echter Kenner der Szene, seine Kletterführer sind ebenso Kult wie seine humorvollen Geschichten und Satiren über Bergsteiger, Flachlandtiroler und die Faszination des Bergsports. Letztendlich waren es aber nicht einmal ein Dutzend Zuhörer, die sich von Brunnert in den Bann ziehen ließen. Echte Kletterer lassen sich aber auch von einem herben Rückschlag nicht aus dem Tritt bringen. 2017 wird ein neuer Anlauf genommen, wie Vorstand Norbert Klein noch am Abend betonte.

Die Lesung des 1957 im niedersächsischen Hildesheim geborenen Brunnert hatte schon alleine deshalb einiges an Unterhaltungswert, weil niemand damit rechnet, dass ein junger Bursche aus der norddeutschen Tiefebene überhaupt beim Bergsport landet. Schuld daran war eine Wanderung mit den Eltern in den Dolomiten, wie die Zuhörer gleich in der ersten Geschichte des Abends erfuhren. Der damals 15-jährige Brunnert war schlichtweg fasziniert von der rauen, derben Aura einer Gruppe italienischer Bergsteiger, die ihnen auf ihrem Weg ins Tal begegnete. Noch im selben Jahr machte er sich mit einem Freund auf, um das Kaisergebirge in Tirol zu erobern. Die beiden erreichten schlecht ausgerüstet und ohne jegliche Sicherung den anvisierten Gipfel, wurden dort aber wegen ihres Leichtsinns erst einmal kräftig zusammengestaucht.

Brunnert war aber längst vom Virus des Bergsteigens und Kletterns infiziert. Er marschierte immer wieder los und überlebte “mit viel Glück” die ersten Jahre seiner Karriere als Bergsteiger, wie er heute unumwunden zugibt. Schnupperkurse und Einführungsseminare waren damals wohl nicht so sein Ding.

Das es in den 1970er-Jahren wohl ganz schön wild zuging, wird in vielen seiner oft skurrilen, immer mit einer gehörigen Portion Humor gespickten Geschichten deutlich. Besonders angetan haben es ihm das Elbsandsteingebirge in Sachsen und die verwegenen Spinner der Kletterszene in der DDR, denen er gleich zwei Bücher gewidmet hat. Viele der am Donnerstag mit lockerem Unterton servierten Anekdoten spielen letztendlich genau in jenem Milieu. “Klettern ist Sächsy!”, lautete der Tenor seiner Geschichten über waghalsige Sprünge zwischen den Felsentürmen und Erstbesteigungen mit Handicap.