Aug 20 2008

Klettersteigkurs im Engelberger Tal vom 13.07 – 15.07.2007

Geschrieben von um 09:38 unter Ausbildungstouren

Klettersteige ermöglichen es auch dem schwindelfreien Normalbergsteiger die Welt der Senkrechten zu erschließen. Durchgehende Sicherungen erlauben es, die Senkrechte auch ohne jahrelanges Training zu erobern.
Auch der Materialaufwand ist nicht annähernd so hoch wie beim Klettern.
Aber auch einen Klettersteig sollte man/frau nicht ohne Erfahrung begegnen.
Zum einen befinden sich viele KLettersteige in alpinem Terrain und sind damit auch alpinen Gefahren unterworfen.
Zum anderen bedarf es einer gewissen Übung, das Handling am Klettersteig voll zu beherrschen.

Diesem Punkt versuchte die DAV Sektion Lahr mit einem Klettersteigkurs Rechnung zu tragen.

Mit neun Teilnehmern fuhren wir, Bernd Vieser und Hans Petzendorfer, in das schweizerische Klettersteigeldorado nach Engelberg. 5 spannende Eisenwege mit 4 Gipfeln stehen hier zur Auswahl.

Zuerst mit der Kabinenbahn, dann mit dem Sessellift fuhren wir zur Brunnihüte.

Von dort ging es in knapp 20 Min zum Brunnistöckliklettersteig. Dieser Steig ist als Probier- oder Einsteigerklettersteig gedacht.
Er hat alles was einen „richtigen Klettersteig“ auzeichnet. Drahtseile, 2 Hängebrücken, Leitern und vor allem eine grandiose Sicht über Engelberg und seine Berge.

Also bestens geeignet für einen Kurs. Nach einer theoretischen Einweisung und Überprüfung der Ausrüstung ging es nach Anlegen derselben in die Praxis. Da sich die Schwierigkeiten in Grenzen hielten, konnte ohne Hektik das richtige Ein- und Umhängen der Karabiner geübt werden. Auch wie ich mich auf einem Klettersteig bewege, wie steige ich ökonomisch eine Leiter hinauf oder wie kann ich eine schwankende Nepalbrücke überqueren, konnten an dieser Via Ferrata geübt werden.

Ein weiteres Thema am Freitag war die behelfsmäßige Bergrettung. Bernd und Hans zeigten den Teilnehmern, wie mit einfachen Hilfsmitteln der Express-, AV-Flaschen- und Schweizerflaschenzug gebaut werden konnte. Die Teilnehmer hatten dann die Gelegenheit dies ebenfalls zu üben.

Gegen 17.00 fuhren wir mit den Bergbahnen zurück nach Engelberg, um das Quartier (Jugendherberge) zu belegen.
Nach dem sehr guten Abendessen schloss sich noch eine Theorieeinheit an.

Samstag, 14.07.2007

Nach einem reichhaltigen Frühstück in der bestens ausgestatteten Herberge fuhren wir wie am Vortag wieder zur Brunnihütte hinauf.
Auf dem Programm standen zwei Klettersteige „Zittergrat“ und Rigidalstock.

Der neue kurze Klettersteig „Zittergrat“ ist eine Ergänzung zum bisherigen Brunnistöckli.
Den Kletterfans wird ein Versuch oder Vorstoß an einem sehr steilen und ausgesetzten Klettersteig geboten.
So auch unseren Teilnehmern. Zwar ist der Zittergrat bestens abgesichert, aber schon vom Einstieg weg geht es senkrecht hinauf mit viel Luft unter den Sohlen.
Die technischen Schwierigkeiten sind nicht so hoch, was die Sache aber doch zu einer ernsten Angelegenheit macht, ist die Ausgesetztheit über den gesamten Steig. Hier konnten unsere Teilnehmer ihre Psyche testen und auch das Gelernte vom Vortag unter etwas erschwerten Bedingungen testen.

Eine tolle Aussicht bietet der im Norden von Engelberg gelegene Rigidalstock (2593m). In der Ferrata besitzt er auch einen interessanten Anstieg mit ein paar originellen Passagen und prächtigen Hochgebirgsmotiven.
In Kombination mit dem Brunnistöckli/Zittergrat ist der Anstieg ein wunderbares Erlebnis.

Mit dem Ersteigen des Rigidalstockes bekamen unsere Teilnehmer schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Klettersteige der Alpen. Gehgelände wechselte sich mit Seilpassagen und auch einigen Kletterstellen ab. Ständige Konzentration war gefordert.
Trotz allem blieb immer Zeit einige Ausbildungsinhalte nochmals zu erklären und zu vertiefen.

 

Am Gipfel wurden wir alle mit der bereits versprochenen tollen Aussicht belohnt.

Da der Abstieg über die Aufstiegsroute führt war hier nochmals die Gelegenheit gegeben, ein paar Übungen einzubauen. Hier insbesondere wie man/frau sich verhält bei Gegenverkehr. Wo kann ich ausweichen, wie komme ich an aufsteigenden Personen vorbei.

Wieder an der Brunnihütte angekommen, blieb sogar noch Zeit, den Barfußweg rund um den Härzlisee zu genießen und ein erfrischendes Fußbad zu nehmen.

Eine Teilnehmerin hatte es nach dem Fußbad so eilig in der Brunnihütte ein Bier zu trinken, dass sie vor lauter schnell schnell die falschen Socken und Schuhe anzog, so dass Hans hilflos am See saß und seine Schuhe suchte. Aber auch dies konnte geregelt werden.

Am Abend in der Jugendherberge wurde dann der Tag nochmals Revue passieren gelassen, auch die eine oder andere theoretische Einheit schloss sich noch an.

Sonntag, 15.07.2007

Am heutigen Tag stand als Abschluss der Graustockklettersteig auf unserem Programm.

Mit der Gondel gings zum Trübsee, von dort mit dem Sessellift auf den Jochpass.
Der Graustockklettersteig ist ein Mix aus Bergweg und der Überwindung teils steiler und ausgesetzter Felsaufschwünge.
Er ist eine tolle, lohnenswerte Direktbesteigung des Graustockes. Atemberaubende Tiefblicke in die 700 m hohen Nordwand des Graustockes und ins Engelberger Tal, Trübsee wechseln sich ab.

Unsere Teilnehmer, die in den beiden vorangegangen Tagen einiges glernt hatten, packten diese Herausforderung ganz souverän an. Als Schlüsselstelle gilt in diesem Klettersteig die Überwindung eines ca 80m hohen Turmes.

Der Steig verläuft diretissima hinauf auf ein Plateau.
Von dort fast eben zum letzten Aufschwung, dem Gipfelgrat, der noch an einigen wenigen Stellen etwas beherztes Zupacken erfordert.

Als Belohnung winkte am Gipfelkreuz ein wunderbares Panorama über Titlis, Spannort-Rigi-Mittelland-Pilatus und die Berner Alpen Wetterhörner, Schreckhorn und Finsteraarhorn.

Der Abstieg erfolgt wieder über den Gipfelgrat und zweigt dann Richtung Süden ins Schafstal ab. Über eine Steilstufe erreicht man den Wanderweg vom Jochpass zur Engstlenalp. Von hier fast flach zurück zum Jochpass.

Mit den Seilbahnen wieder nach Engelberg, umziehen und dann in 2 1/2 Std zürück nach Lahr. Im Rasthof Bauer Abschluss und Treffen der Tessingruppe.

Alles in allem war der 1. Klettersteigkurs für uns Ausbilder eine gelungene Sache, dank der hervorragend mitarbeitenden Gruppe.

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