Dez 29 2008

Europaweg – 24. – 27.08.2008

Geschrieben von um 17:51 unter Seniorengruppe,Tourenberichte

Schon lange ging mir dieser Höhenweg, von Kameraden in höchsten Tönen gepriesen, im Kopf herum. Ob er auch das Ziel für rüstige Senioren sein könnte? Nun, wir haben es zu acht vom 24. – 27. August 2008 probiert. Das Durchschnittsalter lag einiges über 70 Jahre, der Älteste fierte dieses Jahr seinen 79er.

Beim Parkhaus in St. Niklaus (1.083 m) zeigten uns zwei Feuerwehrmänner einen Parkplatz in Bahnhofsnähe und wiesen uns den Einstieg des Fußweges nach Grächen. Also los bei schönstem Sonnenschein. Auf halbem Weg fiel mir auf, dass ich den Fotoapparat im Auto vergessen hatte! Liegen lassen? Auf dieser Tour? Bei diesem Wetter? Nein!! An der nächsten Bushaltestelle in Niedergrächen habe ich der Gruppe den Weiterweg erklärt und den Verantwortlichen bestimmt. Die Feuerwehrmänner in St. Niklaus staunten nicht schlecht, als ich dort wieder aus dem Bus stieg. Autostopp auf der Straße erwies sich als aussichtslos. Also dann nach Gassenried (1.659 m) auf direktem Fußweg! Dort saßen die Teilnehmer bei meinem Einmarsch bereits auf der Terrasse beim kühlen Bier und genossen die Aussicht auf den Riedgletscher und den Nadelgrat sowie das Weiß- und Bishorn jenseits des Tales.

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Herrliche Ausblicke auf den Nadelgrat

Am nächsten Morgen war der Himmel unerwartet wolkenbedeckt. Beim 600 Meter Steilaufstieg auf den „Grat“ fing es auch noch an zu nieseln. Bald hörte es zum Glück auf, aber die Aussicht war durch tief hängende Wolken eingeschränkt. Bei einer Picknickstelle wurde eine längere Pause eingelegt.

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Dann zeigte uns der Patron der Wanderer und Bergsteiger auf dem Denkmal den Weg. Noch ein kurzer Blick hinab auf die kümmerliche Restzunge des Riedgletschers – dann ging es zur Sache!

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Über Schutthalden, altes Bergsturzgelände mit riesigen Blöcken, schmale Felsbänder mit Sicherungsseilen auf und ab: alles nichts für Weicheier! Bald lag auch dieses wilde, urtümliche Berggelände hinter uns und wir erreichten am Galenberg den höchsten Punkt des Tages: 2.680 m.

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Weiter ging es durch Schuttrasseln und Lawinenzüge auf und ab, wobei der Abfluss des Hohberggletschers auf einer langen schmalen Hängebrücke „Modell Nepal“ gequert werden musste. Nun war es Gott sei Dank nicht mehr weit zur freundlichen Europahütte, die, obwohl Montag, proppevoll war.

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Nach Bezug der Lager saßen wir in der Abendsonne vor der Hütte und genossen die herrliche Aussicht.

Was für ein herrlicher Morgen! Man erzählte uns, dass nach dem ersten Tag die größten Anstrengungen durchgestanden seien. Also keine Hektik beim Aufbruch! Wie mühsam die Unterhaltung des Weges ist, zeigte sich gleich nach der Hütte. Der Weg führte fast eben durch einen Gufer zu einer Felspassage, die mit Fixseilen gesichert war. Leider war er gesperrt, weil Lawinen oder Unwetter die Steinschlag-Schutzbauten zerstört hatten. Also 300 m hinab, Querung der Schuttrassel und wieder hinauf. Immer wieder fordern uns mehrsprachige Warnschilder vor Steinschlag zum schnellen Passieren auf. Am Wildikin unterhalb der Kinhütte wartete ein neuer Höhepunkt: ein Felstunnel mit anschließendem Wasserfall.

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Am Täschgufer sehen wir wieder die Bemühungen der Wegbauer, eine sichere Querung des breiten Schutthanges zu ermöglichen.

Auch hier geht es zuerst etwa 200 m hinab, Querung unter einem Betondach und in Tunnels und wieder den Gegenhang hinauf. Auf der Täschalp, vor der Kulisse von Täschhütte und Rimpfischhorn, nahmen wir ein zünftiges Vesper, denn der Weiterweg ist schlendern, schauen und staunen.

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Die mächtige Gipfelpyramide des Weißhorns – rechts das Bishorn.

Je weiter wir gingen, desto breiter das Panorama – vom Bishorn bis zur Monte Rosa, dominierend natürlich das Matterhorn im wechselnden Licht des Nachmittages.

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Kurz vor dem Ende des Europaweges Blick in den Talkessel von Zermatt – und natürlich aufs Matterhorn!!

In Tufteren blieb uns noch Zeit für eine Trinkpause, bevor uns die Sunneggabahn nach Zermatt brachte.

Im renovierten „Hotel Bahnhof“ fanden wir günstige Quartiere. Glücklich und hochzufrieden ließen wir die Tour dann bei Raclette und Fendant zünftig ausklingen. Mit der Bahn ging es am anderen Morgen nach St. Niklaus zu den Autos und mit diesen wieder nach Hause.

Ein Bericht von Tourenleiter Bernhard Müller, DAV Sektion Lahr

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