Sep 03 2017

Alpenüberquerung „Ostbogen“

Geschrieben von um 20:53 unter News,Tourenberichte

Vom Königsee zu den Drei Zinnen in den Dolomiten

Von Brigitte Vieser

Zeitrahmen:                22.07. bis 29.07.2017

Organisation:              DAV Sektion Lahr

Wanderleiterin:           Brigitte Vieser

Teilnehmer:                 6 Frauen

(Ruth Böttcher, Lioba Fischer, Anna Zehnle, Bettina Treptow,

Elke Obenland, Rosi Hartmuth)

Älteste Teilnehmerin fast 70, die jüngste 50.

Hin- und Rückreise:   mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bahn und Bus)

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Im vergangenen Jahr kam von teilnehmenden Wanderinnen der DAV Sektion Lahr, die fast regelmäßig mit mir auf Touren sind, der Vorschlag, auch mal eine Alpenüberquerung mit ihnen zu unternehmen.

Aufgrund dessen griff ich konkret die Alpenüberquerung „Vom Königsee zu den Drei Zinnen“ auf und bot sie über das Sektionsprogramm an. Ganz schnell haben sich 6 Frauen entschieden, mitzugehen. Schon im Februar habe ich dann alle Unterkünfte, Taxidienste und auch die Gruppenfahrkarte für die Bahn gebucht. Alles war bestätigt und damit gesichert, allerdings das Wetter nicht.

Anreise:

Trotz widrigster Prognosen fuhren wir am 22.07. mit dem Zug von Lahr nach Berchtesgaden.

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Das Wetter spielte noch wunderbar mit. Sehr warm und schwül empfing uns Berchtesgaden.

Nach einem erfrischenden Eiskaffee im Ortskern fuhren wir mit dem Bus zu unserer Unterkunft in Schönau (Garnihotel Kohlihiasl), von wo aus am nächsten Tag unsere Tour beginnen sollte.

 1.Tag: 23.07.2017 (Sonntag)

Durch ein Gewitter am frühen Morgen ließen wir uns nicht die Laune verderben und wurden kurz nach 8 Uhr vom Taxidienst, der uns an den Königsee fuhr, abgeholt. Von dort glitten wir mit dem Schiff bis nach St. Bartholomä, wo der Aufstieg zum Kärlinger Haus begann.

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Die Sonne zeigte sich nur ganz kurz, der Himmel blieb durchweg bedeckt, hohe Luftfeuchtigkeit bekamen wir zu spüren. Nach 4,5 Stunden erreichten wir über die „Saugasse“ das am Funtensee (im Winter Deutschlands kälteste Ecke) liegende Kärlinger Haus (1631m), von wo aus der für den nächsten Tag anstehende Übergang über das „Steinerne Meer“ bis zum Riemannhaus begutachtet werden konnte.

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Aber wie schon beschrieben, die Wetterprognosen verhießen nichts Gutes. Der Regen setzte gegen den späten Nachmittag ein und blieb auch noch fast den ganzen nächsten Tag. Dazu kamen am nächsten Morgen noch die tiefhängenden Wolken in Form von Nebel. Die Sicht war so schlecht, darum klare Entscheidung: Dieser Übergang wird nicht gemacht. Das ist zwar schade (das Steinerne Meer wäre einer der Höhepunkte dieser ganzen Woche), aber wir hätten eh nichts gesehen, somit ist das Steinerne Meer auch uninteressant und der Abstieg nach Maria Alm heikel bei solchen Wetterumständen.

 2. Tag: 24.07.2017 (Montag)

Das bestellte Taxi holte uns nach unserem regenreichen Abstieg zurück zur Schiffsanlegestelle St. Barholomä und Schifffahrt zurück über den Königsee anstatt von Maria Alm vom Parkplatz Königsee ab, um uns auf der Großglocknerstraße bis Hochmaiß, in dichtestem Nebel, zu bringen. Von dort stiegen wir ca. 300 Höhenmeter, immer noch im Regen und sogar in Begleitung eines leichten Gewitters, bis zur Trauner Alm (1522m) ab.

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Na ja, wir hofften, dass der nächste Tag etwas besser wird. Die Trauner Alm ist eine uralte „Museums-Alm“ mit recht vielen Betten, die bewusst im Stil von ganz früher gehalten wird. Karierte Bettwäsche, gefüllte Matratzen mit Steg, Waschschüssel mit Krug und viele weitere liebevolle Details waren zu sehen. Wir hatten ein 3- und 4-Bett-Zimmer. Es regnete die ganze Nacht durch.

3. Tag: 25.07.2017 (Dienstag)

Reichhaltiges Frühstück ab 6 Uhr, immer noch Regen, aber wir gehen.

Abmarsch zum Aufstieg auf die „Untere Pfandlscharte“ auf 2660 m. 1100 Höhenmeter liegen vor uns. In vielen Kehren schraubten wir uns an dem Bergrücken hoch. Wind, Regen und später sogar noch Schneetreiben begleiteten uns.

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Ca. 200 Höhenmeter unterhalb der Scharte führte der Weg über ein steiles Schneefeld bis fast zum Schartenkreuz. Immer wieder riss ab dort der Himmel kurz auf und zeigte mal Sonne, aber auch wieder Nebel. Auf der anderen Seite beim Abstieg zum Glocknerhaus (2130m) endlich gute Sicht, kein Regen mehr, dafür aber ein sehr kalter Wind. Alles wurde angezogen, was wärmte. Nach einem leichten Gegenanstieg begleitete uns beim Abstieg eine wunderschöne Blumenvielfalt. Sogar ein kurzer Blick konnten wir auf die Großglocknerspitze erhaschen, bis wir kurz nach 13 Uhr unsere Übernachtungsstätte erreichten.

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Leider wurden wir vom „kleinen Team“ des Glocknerhauses mit dem Zusatz „personeller Engpass“ begrüßt. Trotzdem wurde mit etwas Wartezeiten ein wunderbares Essen serviert.

Ein eisiger Wind blies während des ganzen Nachmittags.

Wir hatten ein großes Matratzenlager für uns allein. So bestand die Möglichkeit, dass jeder genug Platz für sich hatte und wir auch bald uns schlafen legten, um am nächsten Morgen, wieder gut ausgeruht, den nächsten Anstieg zur Glorer Hütte zu bewältigen.

Immerhin waren laut Vorgabe fast jeden Tag 950 bis 1200 Höhenmeter zu bewältigen.

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 4. Tag: 26.07.2017 (Mittwoch)

Auch für diesen Tag war Regen angesagt. Doch konnten wir zuerst einmal ohne Regen um 07.30 Uhr nach dem Frühstück starten. Der Wind war immer noch kalt. Der Weg führte abwärts zum Margaritzenstausee. An dem entlang lief unsere Wanderstrecke, bis die Abzweigung in das Leitertal zur Glorer Hütte kam. Wir befanden uns im Nationalpark „Hohe Tauern“. Leichter Nieselregen setzte ein. Von da aus führte der Weg schmal und lieblich an dem schmalen Flusslauf Leiter entlang, anfangs gesäumt von Felswänden, übergehend in rechts und links grasbewachsene Berghänge.

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In gleichmäßigem Ansteigen des Weges erreichten wir die Brücke über die Leiter, von wo der Aufstieg zur Glorer Hütte auf 2642m begann. Inzwischen wechselte der Nieselregen in strömenden Regen und auf ca. 2300m in Schneetreiben um. Der Wind blies uns ordentlich den Schnee ins Gesicht und wir waren froh, dass wir um 12 Uhr die Glorer Hütte als erste Gruppe erreichten, denn drei Gruppen folgten noch.

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Suppe und warme Getränke halfen uns aufzuwärmen, bevor wir den Abstieg zum Lucknerhaus antraten. Der Regen verebbnete und fast getrocknet kamen wir in dem schmucken Berghotel Lucknerhaus (1918m) bei Kals am Großglockner an. Die Sauna war schon angeheizt und unseren Gliedern tat es gut.

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5. Tag: 27.07.2017 (Donnerstag)

Es regnete nicht mehr. Endlich. Der Himmel war noch etwas verhangen so wie der Großglockner auch. Doch kurz vor unserer Abfahrt um 8 Uhr mit dem Bus in das Defereggental nach Mariahilf strahlte die Sonne aus dem Osten und der Großglockner (3798m) konnte in seiner vollen Pracht bewundert werden.

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Ca. 1 Stunde dauerte die Busfahrt über Kals nach Mariahilf (1422m), von wo unsere heutige Wanderung, zu Anfang noch mit Sonnenschein, über das Villgrater Törl (2502m) verlief. Der Himmel war inzwischen wieder total bedeckt. Welch Wunder: Der Regen blieb aus. Der Abstieg auf die Unterstalleralm (1673m) war steil und wir kamen dort rechtzeitig an, um einzukehren, bevor der Bus uns weiter in das schöne Bergsteigerdorf Innervillgraten in den Gasthof „Raiffeisen“ brachte. Ein stilles, schmuckes Dorf fanden wir vor. Im „Raiffeisen“ waren wir wunderbar untergebracht und wurden super verköstigt.

Da es zwei Möglichkeiten für den Übergang in das Pustertal gab, erkundigten wir uns im Tourismusbüro über den geeignetsten Weg.

Der Tag endete mit einem Sonnenuntergang, sodass die Hoffnung für einen regenfreien nächsten Tag bestätigt wurde.

 

 6. Tag: 28.07.2017 (Freitag)

Mit dem Bus überbrückten wir ein kurzes Stück in den Weiler Kalkstein (1639m), von wo auch wieder drei Gruppen von Outdoorveranstaltern den gleichen Übergang in das Pustertal wählten. Insgesamt waren zur gleichen Zeit auf der fast gleichen Strecke vier Gruppen von Outdoorveranstaltern unterwegs, die teilweise Hütten blockieren, sodass spontane Übernachtungen manchmal gar nicht mehr möglich sind.

Somit gingen wir, die reine Frauengruppe, als letzte los.

Zum ersten Mal zeigte sich die Sonne am blauen Himmel und wir empfanden sie sehr warm.

Doch in den Bergen ist Wetterstabilität nicht garantiert. Egal. Der Himmel wurde von vielen Wolken zugezogen und zum Wandern war es trotzdem ideal. Je höher wir kamen, je frischer wurde es wieder. Unser heutiges Ziel ist das Toblacher Pfannhorn (2663m), ein wunderbarer Gipfel mit einer 360° Rundschau.

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Ein toller Blick in die Dolomiten sowie auf unser letztes Ziel am morgigen Tag, die drei Zinnen, begleitete uns auf den letzten Höhenmetern zum Gipfel. Dieser wurde ausgiebig genossen. Nach gut einer halben Stunde Abstieg kehrten wir in der Bonner Hütte (2340m) ein, um uns auf italienischem Boden den ersten Cappuccino zu gönnen. Unser Abstieg und Weg führte uns direkt nach Toblach (1250m) an den Busbahnhof.

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Inzwischen zeigte sich die Sonne wieder von ihrer typischen italienischen Seite. Es war sehr warm. Mit öffentlichen Bussen ging die Fahrt bis zum Antoniusstein im Val Campo di Dentro, von wo wir noch eine gute halbe Stunde bis zur Dreischusterhütte (1626m) zu laufen hatten.

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Welch Anblick in die Bergwelt der Dolomiten, die uns kurz vor der Hütte eröffnete.

In dieser Nacht wurde es ziemlich eng auf der Hütte, denn es war Wochenende und viele Bergsteiger waren unterwegs. Das Essen war super und die Stimmung gut. Denn es lag nur noch der morgige Aufstieg vor uns. Es war wichtig, so früh wie möglich loszukommen, damit wir um 12 Uhr in den Bus nach Toblach an der Auronzohütte kommen, um die Anschlusszüge nach Hause zu erreichen.

 

7. Tag: 29.07.2017 (Samstag)

Die meisten der Gruppe schliefen sehr schlecht. So richtig warum wusste keiner. Also kurz vor

6 Uhr standen wir auf, um hoffentlich bei den ersten am Frühstücksbuffet zu sein. Endlich.

Um 06.45 Uhr hat der Hüttenwirt die Tür aufgeschlossen und wir stürmten hinein, denn viele

wollten das auch. Aber unsere Zeit drängte. Um 07.15 Uhr waren wir abmarschbereit.

Die ersten zwei Kilometer des Weges verliefen flach bis der Aufstieg durch eine Rinne in vielen steilen Serpentinen vor uns lag.

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Wir kamen gut vorwärts und in zweieinhalb Stunden standen wir an der Drei-Zinnen-Hütte (2539m). Große Freude machte sich bei allen breit, denn wir hatten unser Ziel wohlbehalten, ohne Verletzungen oder sonstigen Pläsuren, und in bester Stimmung, erreicht.

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Leider waren viele tiefe Wolken um uns herum, sodass die Drei-Zinnen immer leicht von Wolken umwabbert und die umliegenden Spitzen immer wieder in Wolken gehüllt waren. Dafür war die Sicht am Abend zuvor umso besser. Je näher wir den Zinnen kamen, je wolkenfreier zeigten sie sich. Allerdings nicht ganz.

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Oh je, welche Menschenmasse kam uns auf dem Weg Richtung Auronzohütte entgegen. Alle wollten das Weltkulturerbe Drei Zinnen sehen. Wir waren froh, um 11.30 Uhr an der Auronzohütte zu sein, um den Massen zu entfliehen und vor allem den Bus pünktlich zu erreichen. Es blieb sogar Zeit, einen Cappuccino in der Hütte zu trinken und vor allem zum etwas Essen. Dann ab in den Bus und um 24 Uhr waren wir wieder in Offenburg am Bahnhof.

Fazit: Jeden Tag hatten wir das Gefühl, in einer anderen Gegend zu wandern. Jedes Tal war anders, darum war die Woche auch sehr abwechslungsreich.

Bilder von Bettina Treptow und Brigitte Vieser

2 Kommentare

2 Kommentare to “Alpenüberquerung „Ostbogen“”

  1. Reinhold sagt:

    Hallo Brigitte,
    vielen Dank für den tollen Bericht!
    Ein Kompliment an euch alle für euer Durchhaltevermögen –
    bei gutem Wetter hätte es sicher noch mehr Spaß gemacht.

    Liebe Grüße
    Reinhold

  2. Elisabeth sagt:

    Hallo Brigitte und die sechs anderen!
    Großen Respekt Euch vor dieser Leistung! Ihr hattet ja einige Schwierigkeiten und Widrigkeiten zu überwinden. Trotzdem habt Iht die gute Laune und die Freude an der Natur nicht verloren. So muss es sein!

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