Aug 01 2018

Grundkurs Eis im Val Ferret / Mont Blanc Gebiet

18.07.18: Anreise und Hüttenaufstieg zur Cabane d´Orny (2.831 m)

Nach Wochen der Planung, Vorfreude und gespannter Erwartung war es endlich soweit. Um 5:45 Uhr klingelte Ulrich bei mir. Wir luden 2 prallvoll gefüllte Rucksäcke in mein Auto und fuhren, aus der Pfalz kommend, zu unserem Treffpunkt nach Lahr. Hier durfte ich dann auch meine weiteren Eiskursteilnehmer Klaus, Dennis, Gerhard und Sabine herzlich begrüßen.

Für den 28-jährigen Dennis sollten die nächsten Tage besonders spannend werden, würde er doch erstmals einen Gletscher betreten und evtl. seine ersten Alpengipfel besteigen können.

Abgesehen von einem kleinen Stau bei Ettenheim ging die Fahrt problemlos über Basel, Bern und Montreux ins westliche Wallis nach Champex-Lac (1.505 m). Das liegt in der Nähe von Martigny, nicht weit vom Großen Sankt Bernhard Pass.

Die ersten Höhenmeter überwanden wir bequem mit der Seilbahn. Sie führt uns bis zur Bergstation La Breya (2.194 m). Ab hier hieß es Rucksäcke schultern. Der gut befestigte Weg zur Hütte führte uns tief hinein in den Schweizer Teil des Mont-Blanc-Gebiets.

  

  

Oben: die Ornyhütte und im mittleren Bild thront hinten der mächtige Grand Combin

Unten: „Kleine Erfrischung gefällig“? Kein Problem im kleinen See bei der Hütte….

  

Unser Tagesziel ist die Cabane d´Orny (2.831 m), ein bekanntermaßen guter Ausgangspunkt für Bergtouren aller Art. Neben Hochtourenmöglichkeiten befinden sich in unmittelbarer Reichweite der Hütte auch exzellente Klettergebiete, die mit bestem Fels (Granit) aufwarten können.

Nachdem wir unsere Lager bezogen hatten, widmeten wir uns in Hüttennähe noch der Materialkunde, und besprachen wie man sich im Allgemeinen so auf einem Gletscher verhält. Ein bisschen Theorie muss ja schließlich auch sein.

 

 

Danach gab es ein für Hüttenverhältnisse hervorragendes Abendessen. Um es vorwegzunehmen, vom Hüttenteam der Familie Angeloz wurden wir bestens versorgt. Alles ist gut organisiert und Mitarbeiter aus Thailand und Nepal sorgen für einen zusätzlichen Pep in der sehr abwechslungsreichen Küche.

 

19.07.18: Aiguille du Tour (3.540 m)

Meinen Plan für die nächsten Tage und speziell die Tourenplanung für den heutigen Tag hatte ich bereits gestern ausführlich erklärt. Eigentlich hatte ich ursprünglich für heute diverse Übungen auf dem Gletscher und im Eisbruch geplant, und die Touren dann später. Aber am Wochenende sollte gem. Wetterbericht das Wetter umschlagen und Regen und Gewitter bringen. So erschien es mir sinnvoller das gute Wetter in den nächsten 2 Tagen zu nutzen, um Ausbildungstouren zu unternehmen. Die Aiguille du Tour vermittelt einen herrlichen Einblick in das gesamte Mont Blanc Massiv. Der flache Ornygletscher eignet sich hervorragend um sich erstmals an das Gehen auf dem Gletscher mit Steigeisen zu gewöhnen. Am Ende der Gletscherzunge am Col d´Orny ändert sich schlagartig der Ausblick. Wie Pilze treten mit jedem Höhenmeter mehr diverse Aiguilles (Felsnadeln) aus dem Plateau du Trient. Wir umgehen die Spaltenzonen respektvoll, steigen problemlos über den Bergschrund, und am Einstieg in die Felsen ziehen wir die Steigeisen wieder aus. In IIer Plaisirkletterei steigen wir in 2 3er Seilschaften zum Gipfel der Aiguille du Tour. Besonders Dennis ist stolz, sein 1. 3000er! Aber auch alle anderen genießen den herrlichen Ausblick auf die Mont Blanc Gruppe, am Grenzgipfel zwischen der Schweiz und Frankreich.

 

  

Oben der finale Schlussanstieg zur Aiguille de Tour

Unten links: Aiguille du Chardonnet + im Hintergrund auch der höchste Berg der Alpen, der Mont Blanc

     

Auf dem gleichen Weg geht es wieder zurück. Doch bevor wir endgültig wieder zur Ornyhütte absteigen, gestatten wir der am Col d`Orny gelegenen Trienthütte (3.170 m) einen Besuch ab. Bei Kaffee und leckerem Kuchen genießen wir die tolle Bergszenerie.

 

20.07.18: Téte Blanche (3.421 m) + Petite Fourche (3.512 m)

Wie am Vortag stiegen wir wieder bei strahlendem Sonnenschein zum Col d´Orny auf. Aber im Hinterkopf hatten wir immer, dass sich Nachmittags das Wetter verschlechtern und Regen und Gewitter bringen sollte. Also hieß es nicht trödeln, wir wollten schließlich sicher und auch trocken wieder zur Hütte zurückkommen. Flach geht es zunächst wieder über das Plateau du Trient, bevor wir nun steiler in einem Links-Rechtsbogen den Einstieg am Ostsporn der Téte Blanche erreichen. Das folgende Felsgelände ist deutlich anspruchsvoller als an der Aiguille du Tour. Auch ist es bedeutend ruhiger hier, wir waren alleine unterwegs. Der nicht immer zuverlässige, alpine und ausgesetzte Fels, weist einige Stellen im III. Grat auf (obwohl offiziell nur mit II bewertet). Nach oben hin wird es wieder leichter. Vom Gipfel steigen wir fast waagerecht weiter zum Col. Blanc, wo wir eine Pause machen und unsere Rucksäcke deponieren. Der Weiterweg zur Petite Fourche führt zunächst über eine 40° steile Firnflanke und zum Schluss über leichtes Blockgelände zum Gipfel, wo wir uns gegenseitig zum 3. 3.000er in den letzten 2 Tagen gratulieren. Wieder zurück bei unserem Rucksäcken am Col Blanc wird es noch mal spannend. Hier wartet eine 40 m Abseilstelle über eine Riesenwächte. Mit 2 zusammen gebundenen Seilen überwinden wir diese beeindruckende Stelle. (Hat man nur ein Seil zur Verfügung muss man unterwegs Zwischenstand an einem eingegrabenen Holzstück (T-Verankerung) machen. Wenn dies nicht da ist muss man selbst einen „Toten Mann“ bauen).

Jetzt sind die Hauptschwierigkeiten überwunden und das Wetter hält auch. Super! Am frühen Nachmittag sitzen wir wieder entspannt bei Kaffee und Kuchen auf der Hütte. Das angekündigte Schlechtwetter kam erst nach dem Abendessen…..

(unten links neben der Fahnenstange der mächtige Grand Combin. Aufstieg durch den Eisbruch des Ornygletschers)

  

Oben links die Aiguilles Dorees

Im Bild rechts oben unsere Tagesziele: zunächst den felsigen Ostsporn der Téte Blanche (rechter Berg) , dann die Petite Fourche (halblinks). (Die Aiguille du Chardonnet liegt in Bildmitte im Hintergrund). Deutlich erkennt man bereits den breiten oberen Bergschrund (mit großer Wächte), über den wir später abseilen.

           

Oben: Abstieg von der Petit Fourche

Unten: Abseilen über die Riesenwächte und den Bergschrund (Hinten der der felsige Ostgrat der Tete Blanche, über den wir aufstiegen)

                       

21.07.18: Eisausbildung auf dem Ornygletscher

Und wieder haben wir Glück mit dem Wetter, nur Sonne/ Wolken Mix, statt Dauerregen! Nur in den letzten 30 Minuten am späten Nachmittag bekamen wir etwas Regen ab. Das war natürlich super, denn so konnten wir den ganzen Tag Ausbildung am Eisbruch machen. Sicherungstechniken im Eis und Firn, Geh- und Steigtechniken, Begehen von Fixseilen, Alpine Gefahren, Verhalten in Notsituationen, Abbremsen von Stürzen (verkürzt aufgrund einsetzenden Regens), und natürlich Spaltenbergung und Selbstrettung aus der Gletscherspalte. Wer wollte durfte sich dann auch noch im Steileisklettern mit Topropesicherung üben.

         Links: Aufstieg am Fixseil, Rechts und unten: Spaltenbergung     

Unten: Selbstrettung aus der Gletscherspalte 

Oben rechts: Steileisklettern mit Toperope gesichert
Unten: Und die Abalakov-Eissanduhr hält allen Ausreisversuchen stand

 

Wie schon erwähnt wurden wir auf der Ornyhütte bestens versorgt. International auch das Bier! Portugisisch (aus der Dose) und Thailändisch (aus der Flasche). Der Wein kam aus dem Wallis. Um uns einen Meinung bilden zu können haben wir natürlich alles ausprobiert, vorallem am letzten Hüttenabend.

                       

22.07.18: Abstieg und Heimfahrt

Schöne und erlebnisreiche Tage gingen zu Ende. Ich bedanke mich bei den Fahrern Gerhard und Dennis und bei allen Teilnehmern. Hat echt Spaß mit euch gemacht, ihr ward eine tolle Truppe! War mir eine Freude, dass ihr mich auf meinem letzten Sektionseiskurs begleitet habt! Passt auf euch auf, und immer gut festhalten….

 

Michael Mühe

(FÜL Hochtouren)

 

PS:

Schade, dass Willibert und Helmar leider kurzfristig absagen mussten. Euch hätte das sicher auch Spaß gemacht

 

 

 

 

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