Mai 18 2011

Lahrer Alpinisten gehen unter Tage – 15.05.2011

Geschrieben von um 16:01 unter Familiengruppe,News

Pressebericht von Max Krischke in der Badischen Zeitung:

Für die Familiengruppe des Alpenvereins, Sektion Lahr, ist es kürzlich ausnahmsweise nicht in die Höhe, sondern tief hinunter gegangen. Sie besichtigte das Museums-Bergwerk Schauinsland.

In der zweieinhalbstündigen Tour durch das mittelalterliche, bis ins Jahr 1956 betriebene Bergwerk wurde den 20 Teilnehmern gezeigt, mit welch einfachen Mitteln und Werkzeugen und unter welch schweren Bedingungen die Steiger damals arbeiteten. Auch für die jüngeren Teilnehmer war es spannend, über Leitern in bis zu 60 m Tiefe zu gelangen. Die schmalen Gänge und einige dunkle Passagen erschwerten den Weg, weshalb alle ein Paar Handschuhe und einen Helm mit einer Leuchte bekamen.

Aus Gründen der Hygiene muss im Bergwerksinneren eine Toilette vorhanden sein, die laut Führer mit Kosten von etwa 150.000 Euro wohl eine der teuersten Toiletten Deutschlands sein dürfte. Heute werden die Stollen des Bergwerks nicht mehr zum Abbau verwendet, sondern als Archiv, für Führungen und zu Forschungszwecken.

So etwas nennt man perfekte Organisation: Vater Udo Krischke organisiert diese abenteuerliche, geschichtsächtige Familiengruppentour und Sohn Max, der als Schülerpraktikant bei der Badischen Zeitung Pressluft schnuppern durfte, berichtet in der Zeitung über dieses Unternehmen.

Familie Krischke auf dem Schauinslandturm

Udos Tour war in drei Abschnitten geplant: 1. Fahrt mit der Bergbahn zur Bergstation Schauinsland, 2. Besichtigung des Museums, 3. Wanderung wieder zur Talstation.

Bequem brachten die Bergbahnkabinen die Teilnehmer hinauf auf Freiburgs Hausberg den Schauinsland. Der kleine Abstecher zum Aussichtsturm aus Holzstämmen hat sich gelohnt, auch wenn die Aussicht bei bedecktem Himmel nicht hervorragend war. Nach einer kleinen Vesperpause ging an zielstrebig zum Abenteuerteil, dem Abstieg in die Tiefe.

Vor der Einfahrt in die Grube ließ  sich die Besuchergruppe in voller Montur noch einmal fotografieren, damit man anhand der Bilder diejenigen identifizieren konnte, die den Rückweg an die Erdoberfläche verfehlen sollten.

Spannend war schon die Anprobe der Helme. Obwohl alle ihre Kletterhelme gewöhnt waren, so war die Technik mit den Grubenlampen doch Neuland für Groß und Klein.

Interessiert verfolgten alle die 20minütige theoretische Einweisung durch unseren Führer, der vor allem die geschichtliche Entwicklung der weitverzweigten Stollengänge vom Mittelalter bis in die Neuzeit erläuterte. Wir staunten nicht schlecht, dass die Schächte so tief hinunter in die Erde rechten, so dass sich die 9. Stollenebene mit 358 m fast in Höhe von Freiburg befindet. Man bedenke, dass sich der höchste Stolleneingang in über 1.100 m Höhe befindet.

Doch dann ging es endlich in ganz schmalen Schächten auf noch schmäleren, glitschigen Leitern in die Tiefe.

Untertage gab es immer wieder überraschendes zu sehen. Da staunten die Kinder nicht schlecht, dass man sich im Bergwerk sogar mit einem Draisinenfahrzeug fortbewegte.

Die obersten Stollen war äußerst schmal und oftmals schräg in den Fels gehauen. In diesem mittelalterlichen Teil war der Abbau des Silbererzes am mühsamsten, weshalb man nur den Erzadern folgte und nicht auf Bequemlichkeit für spätere Bergwerksbesucher achtete.  Je tiefer wir abstiegen, desto moderner wurden dann die dort verwendeten Abraumwerkzeuge und desto breiter mäanderten die Stollengänge durch das Berginnere. So wurden uns stolz die modernen Maschinen gezeigt, mit denen man im 20. Jahrhundert die Sprenglöcher in den Fels bohrte.

Stolz deshalb, weil es den findigen Museumsbetreibern gelungen war, die alten Pressluftleitungen, die kilometerweit in die Tiefe führen, wieder in Gang zu setzen, so dass sogar mit lautem Getöse ein Minibagger die abgesprengten Felsbrocken in eine Lore schaufeln konnte.

Dreimal durften wir weiter in die Tiefe steigen. Das waren nun schon 60 m. Als uns dann im 3. Stollen die teuerste Toilette Deutschlands und ein betonierter Festsaal, in dem auch schon tatsächlich Feste gefeierte wurden, präsentiert wurden, staunten wir nicht schlecht.

So abtenteuerlich dieser Ausflug in die Tiefe auch war, so froh waren dann doch alle, als wir nach einem 10minütigen Aufstieg dann wieder die Grube verlassen konnte und dabei auch noch feststellten, dass alle Familien komplett den Rückweg gefunden hatten.

Der Abstieg vom Schauinsland ins Tal war dann nur noch Formsache. Die letzten Kilometer wurden dann doch noch durch einen Regenschauer getrübt, aber insgesamt war Udos Tour eine rundum gelungene Sache! Vielen Dank für diese tolle Idee.

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