Mrz 01 2008

Projekt Georg-Wimmer-Schule

Geschrieben von um 15:47 unter Jugendgruppe

Für das Jubiläumsjahr hatte sich die Jugendgruppe ein ganz besonderes Projekt ausgesucht: wir wollten mit behinderten Jugendlichen klettern!


Dabei verfolgten wir vier Ziele:

1. Die behinderten Jugendlichen sollten lernen, dass man unter unserer Anleitung, etwas nie Gewagten machen kann.
2. Die Lehrer sollten neue Elemente der Erlebnispädagogik kennen lernen.
3. Die Eltern sollten neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kennen lernen.
4. Die Jugendlichen des Alpenvereins sollten eventuelle Berührungsängste im Umgang mit behinderten Menschen abbauen und dadurch ihre soziale Kompetenz verbessern.

Als Projektpartner hatten wir uns die Georg-Wimmer-Schule in Lahr ausgesucht. Bevor es aber losgehen konnte, wurden die Lehrer und Eltern über das Projekt informiert. Erst als auch diese Projektpartner von unseren Zielen überzeugt waren, erhielten wir grünes Licht für die Vorbereitung für die vier Übungseinheiten mit unseren Kletterpartnern.

1. Projekttag, 30.06.2006 in der Sporthalle der Georg-Wimmer-Schule

Nach dem Kennenlernen der beteiligten Jugendlichen unterzeichneten zunächst einmal die Schulleiterin Christina Maurer-Wulf und der Jugendleiter der Sektion Norbert Klein in Anwesenheit der Jugendlichen einen Kooperationsvertrag.

In der gewohnten Umgebung der Schule sollten sich die Jugendlichen erst einmal näher kennen lernen. Deshalb nahmen wir an einer Schulsportstunde teil. Die Gestaltung dieser Sportstunde hatten die beiden Lehrerinnen Anne Hildebrand und Hedi Karl übernommen, die auch beim Familienklettern innerhalb der Sektion dabei sind.

Zur Einstimmung und zum Abbau von Berührungsängsten lösten wir zunächst einmal den „gordischen Knoten“, bei dem viel Körperkontakt hergestellt wird. Dann durften sich die Schüler einen persönlichen Partner und Betreuer aussuchen, an den sie sich bei einigen Vertrauenspielen sehr schnell gewöhnten.

Bei diesen Spielen ging es auch sehr lustig zu, so dass auch die Rektorin, die sehr interessiert die ersten Kontaktaufnahmen beobachtete, mit eingebunden wurde.

Spätestens als alle gemeinsam zwischen zwei Weichbodenmatten als Sandwich zusammengepresst wurden, war klar, dass dieses Projekt allen Beteiligten großen Spaß machen würde. Die Alpenvereinsjugend hatte kennen gelernt, wie kontaktfreudig und begeisterungsfähig ihre behinderten Partner waren.

2. Projekttag, 07.07.2006 im Ernet

An diesem Tag sollten unsere Projektpartner das Vertrauen in die Kletterausrüstung gewinnen, was wir mit einigen erlebnispädagogischen Übungen erreichen wollten.

Hierzu hatten wir im Wald einige Kletterseile gespannt. Als erstes lernten die Schüler die Klettergurte kennen und wurden mit einem Elastikseil vertraut gemacht.

Mit verbundenen Augen führten sich dann die Partner über die Unebenheiten des Waldbodens, wobei das „blinde Vertrauen“ in den jeweiligen Partner gefördert wurde. Dieses Vertrauen wurde durch das Führen über ein gespanntes Seil noch vertieft.

Wenn man an vier Seiten des Klettergurtes festgebunden ist, kann man nicht vom Seil fallen. Der Klettergurt gibt einem dabei die zusätzliche Sicherheit – und das Seil hält auch dieser Belastung stand. Da kann man sich mehrfach abgesichert doch freihändig hinstellen???

Zum Schluss hatten wir uns dann den härtesten Vertrauenstest ausgesucht: eine Seilrutsche einen steilen Hang hinunter in Richtung des Baumes, an dem die Seile gespannt waren. Wie man sieht, haben sich alle auch diesem Test unterzogen, haben dabei Spaß gehabt und konnten sogar noch cool winken!

Nachdem nun unsere Partner das Vertrauen sowohl zu den DAV-Jugendlichen als auch zum Sicherungsmaterial gewonnen hatten, waren alle ganz gespannt, wie das eigentliche Klettern nun funktioniert.

3. Projekttag, 14.07.2006, Kletterhalle Emmendingen

Ganz begeistert und aufgeregt beschnupperten unsere Teampartner erst einmal die Kletterhalle und staunten, wie hoch der 17 m-Kletterturm doch ist.

Mit einer beruhigenden Einführung waren die notwendigsten Kletterregeln erklärt und das Vertrauen zu den in der Halle hängenden Kletterseilen, sowie den Gurten, die wir nun gemeinsam anlegten, wieder hergestellt.

Mutig gingen die Schüler sofort an die Wände und testen die bunten Griffe und Tritte. Wer gedacht hatte, dass es mit der Bewegungsmotorik Probleme geben würde, sah sich schnell getäuscht. Probleme gab es eher mit der unzureichenden Kraft, da diese unsere „neuen Klettermaxen“ nicht spezifisch trainierten. Schon bald hatten sie die richtigen Bewegungen herausgefunden, wie man sich an der Wand nach oben bewegen kann.

Selbst die beiden Lehrerinnen wunderten sich, zu welchen Leistungen diese Jugendlichen in der Lage waren, obwohl sie noch nie etwas Ähnliches ausprobiert hatten. Auch das vorsichtigste Mädchen kam nach ehrgeizigen Bemühungen zu ihrem Erfolgserlebnis und erreichte das Hallendach. Die moralische Unterstützung durch uns, half ihr sehr, dieses Selbstvertrauen zu gewinnen.

Jannik gibt durch seine Sicherungstechnik seinem Partner das nötige Vertrauen in die bestehende Seilschaft. Eine Partnerschaft, wie sie diese Jugendlichen zuvor nicht kennen gelernt hatten.

Einige der Jugendlichen hatten auch keine Probleme, die 17-m-Wand im Kletterturm zu erstürmen. Aische, die agilste der Truppe, war gar nicht zu bremsen und bewältigte mindestens 6 Routen, eine davon sogar im Überhang. Und selbstverständlich machte nach dem Klettern auch das Abseilen Spaß.

Ja und wer arbeitet, der ist auch erschöpft – aber auch stolz auf die gezeigte Leistung. Zum Abschluss hatten sich alle redlich ein Eis verdient. Und jeder war gespannt, was am letzten Projekttag noch kommen würde.

4. Projekttag, 21.07.2006 Hochseilgarten Kenzingen-Bombach

Am letzten Tag war Abenteuerklettern in den Bäumen des Hochseilgartens unseres DAV-Mitglieds Thomas Hangs in Kenzingen Bombach (übrigens Vereinsmitglieder haben verbilligten Eintritt) angesagt.

Thomas übernahm persönlich die Einweisung in die Sicherheitsvorschriften, der alle angespannt lauschten. Jeder muss die ganze Zeit einen Helm tragen und muss selbst darauf achten, dass immer beide Sicherungskarabiner in das rote Sicherungsseil eingeklinkt sind.

Dann übernahmen die DAV-Partner die Betreuung und alle verschwanden in den Bäumen. Benjamin hatte Jan (rechts) als Betreuer gewählt. Beide stammen aus Sulz und haben sich erst bei diesem Projekt kennen gelernt. Benjamin ist so begeistert, so dass er im Winter ab und zu beim Jugendtraining in der Kletterhalle mitgehen will.

Der leichteste Parcours, der „Eichhörnchen“ genannt wird, beginnt mit einer Hängebrücke aus Seilnetzen. Lustig ist unterwegs auch eine Hängematte, in der sich Aische und Anne ausruhten.

Zu den Holzplattformen, die je nach Schwierigkeit des Parcours in 8 – 15 m Höhe angebracht sind, gelangte man mit einer Strickleiter, auf der erstmals Körperbalance erforderlich ist. Burak hatte dabei keinerlei Probleme.

Und je nach Schwierigkeit sind die einzelnen Holz- und Seilbrücken, die sehr gut gesichert sind, beweglich. Alle Teilnehmer mussten sich sehr gut konzentrieren und ständig auf ihr Körpergleichgewicht achten. Selbstverständlich wurden alle Schüler ständig betreut, so dass ihnen zusätzliche Sicherheit gegeben wurde. Erstaunlich war auch im Hochseilgarten, welche Selbstsicherheit die Teilnehmer an den vier Projekttagen entwickelt hatten.

Immer wieder gab es zwischen den Wackelbrücken und am Ende jedes Parcours eine Seilrutsche. Jeder Teilnehmer konnte seine Rutschgeschwindigkeit selber bestimmen, in dem er mit seinem Handschuh die Fahrt abbremste. Wer noch unsicher war, rutschte mit seinem Partner gemeinsam nach unten.

Leider ging die Zeit zu rasch vorbei. Doch auch im Hochseilgarten wird von den Teilnehmern sehr viel Krafteinsatz abverlangt, so dass sich alle über ein Abschlusseis freuten.

Alle Betreuer waren sich einig, dass wir unsere angestrebten Ziele bei dieser besonderen Kooperation „Schule und Verein“ erreicht hatten. Unsere Partner von der Georg-Wimmer-Schule waren unsere Freunde geworden. Ihre Begeisterungsfähigkeit hatte dazu beigetragen, dass auch uns die Projekttage sehr viel Spaß gemacht haben. Wir waren uns alle einig, dass wir die Zusammenarbeit mit der Georg-Wimmer-Schule im Herbst 2006 fortsetzen werden.

Zum Abschluss schossen wir noch ein Erinnerungsfoto mit allen Teilnehmern.
Von links: Hedi, Norbert, Benjamin, Aische dahinter Daniel, Jan, Johannes, Bianca, Maria dahinter Franziska, Anne, Jannik, Burak, Melanie, Sarah, Franziska und Melanies Papa

Alle Jugendlichen der Sektion und ich als Jugendleiter wollen uns am Ende dieses Berichtes sehr herzlich für die tatkräftige Unterstützung bei Hedi und Anne (im Hochseilgarten sind sie ganz schön ins Schwitzen gekommen), für die Aufgeschlossenheit und große Kooperationsbereitschaft der Rektorin Christina Maurer-Wulf, für die günstigen Eintrittspreise in der Kletterhalle und im Hochseilgarten (Fritz Neuendorf und Thomas Hangs haben für die Betreuer kein Eintrittsgeld verlangt) und für die finanzielle Unterstützung durch die Sektion Lahr bedanken!!!!!!!!!

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