Aug 13 2013

Hohe Ziele im Wallis

Geschrieben von um 11:33 unter Allgemein,News,Tourenberichte

Blick vom Grenzgletscher zum Matterhorn

Am 04.08.2013 fuhren Markus, Philipp und ich ins Wallis (unsere vierte Teilnehmerin, Ursula, hatte sich leider kurz vor der Tour verletzt). Hohe Gipfel standen diesmal auf dem Programm. In Täsch parkten wir im dortigen Parkhaus und fuhren mit dem Zug ins autofreie Zermatt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs wartete schon die Zahnradbahn auf uns. Wir fuhren bis zur Station Rotenboden. Bei strahlendem Sonnenschein starteten wir.

Der Weg verlief entlang des riesigen Gornergletschers mit Sicht auf Liskamm, Breithorn und viele hohe Gipfel mehr. Nach einer Stunde mussten wir, da der Gletscher inzwischen viele, viele Meter an Höhe verloren hatt, über eine lange Metallleiter und danach über einen gesicherten Steig auf den Gletscher absteigen. Nach einer halben Stunde hatten wir den Gletscher überquert und stiegen über eine Moräne hinauf zur neuen Monte Rosahütte. Eine sehr schöne Hütte mit einem freundlichen Team erwartete uns.

Die Sechserzimmer, anstatt den üblichen Matratzenlagern, ermöglichten einen angenehmen Schlaf. Um 01:50 Uhr standen wir auf. Nach einem guten Frühstück starteten wir um 02:40 Uhr. Der Weg führte durch Blockgelände zum Grenzgletscher. Eine gute Spur erleichterte uns den Weg durch die Spaltenzonen. Wir kamen zügig voran. Zwischenzeitlich war die Sonne aufgegangen. Ein weiterer schöner Tag stand bevor. Bereits um 07:00 Uhr waren wir am Schlussanstieg zur Signalkuppe. Wir entschlossen uns, die direkt neben unserem Weg gelegene Parrotspitze (4432 m) „mitzunehmen“. 45 min später standen wir bei starkem Wind auf dem Gipfel. Nach einem 15-minütigen Abstieg nahmen wir den Schlussanstieg auf die Signalkuppe in Angriff. Hier machte sich die große Höhe und unsere noch nicht optimale Akklimatisation bemerkbar. Mit langsamem Schritt und ausreichenden Pausen stiegen wir weiter hinauf. Das höchste Bauwerk der Alpen (auf der Singalkuppe steht die Margheritahütte) kam langsam näher. Eine steile Schlussrampe forderte noch einmal ihren Tribut. Danach war es geschafft. Über einen Balkon mit sehr großem Tiefblick betraten wir die Hütte (4554 m). Bei sehr dünner Luft machten wir eine ausgiebige Pause.

Blick vom Balkon der Margheritahütte

 

Der Abstieg stand an. Über inzwischen weichen Firn kamen wir nach circa drei Stunden an der Monte Rosahütte an. Das Programm für den nächsten Tag war wiederum ziemlich anspruchsvoll. Markus hatte mir bereits im Dezember ein paar Tourenvorschläge für 2013 gemacht. Mich hatte vor allem die Tour über den Nordgrat auf den Pollux fasziniert. Handelt es sich doch bei dieser Tour um eine sehr selten begangene Route in einmaliger Landschaft. Zudem besteigt man hier im Gegensatz zum Normalweg nicht nur die letzten dreihundert Höhenmeter des Berges, sondern die ganze Nordflanke mit 1550 Höhenmetern.

Wieder standen wir früh auf. Um 02:30 Uhr machten wir uns an den Abstieg auf den Gornergletscher. Diesen überquerten wir. Nach zwei Stunden erreichten wir den Schwärzegletscher. Hierbei handelt es sich um den Zustieg zum Polluxnordgrat. Der Gletscher war vollkommen aper und ziemlich zerissen. Über steiles Eis stiegen wir hinauf. Bald kamen große Querspalten, welche an geeigneter Stelle überquert werden mussten. Der Eispickel und die Frontalzacken kamen immer wieder zum Einsatz, da mehrere kleinere Eismauern im Weg waren. Nach vierhundert Höhenmetern über den aperen Gletscher kamen wir in ein Gletscherbecken von wo aus man die weitere Tour einsehen konnte. Wir entschlossen uns nicht über den kleinen Pollux zu gehen sondern direkter über die Flanke westlich davon. Bei dieser Alternative galt es einen Eisbruch zu durchqueren. In respektvollem Abstand zu den Eistürmen und über, zu dieser frühen Morgenstunde, noch stabile Schneebrücken gingen wir durch den Bruch, um danach über eine sanft geneigten Schneehang den Sattel hinter dem kleinen Pollux zu erreichen. Von hier kamen wir in einer halben Stunde am Gipfelkegel an. Eine Seillänge steiles Eis (bis zu 60 Grad) musste überwunden werden. Eine Spur führte die letzten 200 Höhenmeter direkt hinauf zum Gipfel. Es schien als ob diese „Treppe“ direkt in den Himmel führte. Ein traumhafter Schlussanstieg lag vor uns. Der Gipfel war bald erreicht. Leider wurde in diesem Moment das Wetter schlecht. Nach 15 min Rast ging es weiter. Der Abstieg über Felsen und Schutt war noch einmal ziemlich anstrengend und erforderte höchste Konzentration. Nach einer Stunde standen wir auf dem Gletscher. Noch einmal zwei Stunden Fußmarsch und 150 Höhenmeter Gegensteigung mussten bewältigt werden um unser Ziel, die Seilbahnstation Klein Matterhorn zu erreichen. Das Wetter wurde jetzt zusehends schlechter, so dass wir uns trotzt einer inzwischen spürbaren Erschöpfung keine allzugroßen Pausen mehr erlauben konnten. Ausserdem wollten wir unbedingt noch die letzte Seilbahn ins Tal nehmen. Zeitgleich mit einem beginnenden Unwetter erreichten wir die Bahnstation. Leider konnte bei diesem Wetter keine Bahn fahren, so dass wir noch einmal eine Stunde warten mussten. Dann hatte sich das Wetter soweit beruhigt, dass ein Bahnbetrieb wieder möglich war. Wir konnten ins Tal hinabfahren.

Drei schöne aber auch anstrengende Tage gingen zu Ende. Insbesondere der Nordgrat auf den Pollux war anspruchsvoll und schweißtreibend. Vermutlich wurde dieser Grat noch nie als Tour in der Sektion Lahr angeboten. Aber mit zwei so guten Bergsteigern wir Markus und Philipp wurde dieser Nordgrat für uns drei zum einmaligen Erlebnis.

Ganz links der Pollux mit Nordgrat (diagonal durch das Foto)

Ein Kommentar

Ein Kommentar to “Hohe Ziele im Wallis”

  1. Ursula Kimmig sagt:

    Gott sei Dank war ich nicht dabei. Das wäre in meinem gesundheitlichen Zustand nicht machbar gewesen.
    Ich freue mich für Euch drei, dass Ihr so eine schöne Tour erleben konntet in der Hoffnung, dass Ihr mich trotzdem noch einmal mitnehmen werdet.

Kommentar schreiben


− 3 = vier