Mrz 01 2008

Klettersteigwoche in den Dolomiten

Geschrieben von um 16:15 unter Allgemein

01. – 08.09.2007

Bereits zum sechsten Mal hatte Rudi Rietz als sehr guter Dolomitenkenner eingeladen, eine Klettersteigwoche, dieses Mal in den Sextener Dolomiten, zu verbringen.

Am ersten Tourentag, Sonntag, 01.09.2007, nutzten wir gleich das noch schöne Wetter und fuhren ins Innerfeldtal, wo wir kurz unterhalb der Dreischusterhütte die Autos abstellten.

Die Dreischusterhütte.

Vorbei an der gewaltigen Kulisse des Schwabenalpenkopfes stiegen wir fast 1000 m auf.

Unser erstes Ziel war der Toblinger Knoten (2.617 m), den wir über den Leitersteig bestiegen.

Der Aufstieg verlief auf den Spuren des 1. Weltkrieges in einem Kaminsystem 120 m senkrecht über viele Leitern nach oben. Gleich nach Kriegseinbruch im Jahr 1915 hatten die Österreichischen Kaiserjäger diesen strategisch wichtigen Gipfel besetzt, um den Italienischen Alpinis den Durchbruch nach Norden zu verwehren.

Auf dem Gipfel hatten wir zum ersten Mal einen herrlichen Ausblick hinüber zum Wahrzeichen der Sexten Dolomiten: den Drei Zinnen.

Am zweiten Tag kündigte sich leider eine Kaltfront an, so dass wir auf einen weiteren Klettersteig verzichten mussten.

Als Alternative fuhren wir mit der Helmbahn auf die nördliche Gebirgskette über Sexten und wanderten über den Karnischen Höhenweg. Auch hier gibt es noch Überreste von Stellungen aus dem 1. Weltkrieg. An der Festung auf dem Hornischegg (2.550 m) legten wir im Windschatten eine kleine Vesperrast ein.

Da die Kaltfront nur Schneefälle bis etwa 2.500 m mitgebracht hatte, konnten wir es uns erlauben, am Dienstag, 04.09.2007, auf den Monte Piano (2.321 m) zu steigen.

In wunderbar angelegten Serpentinen ging es beständig aufwärts, so dass uns die 1000 Aufstiegsmeter an diesem Tag überhaupt nicht schwerfielen. Kurz unterhalb des Gipfels muss noch eine steilere Wandflucht überwunden werden. Hier wurde im Jahr 1980 ein alter Kriegssteig saniert, der von Hauptmann Bilgeri 1916 angelegt worden war, um die Österreichische Stellungen auf dem Gipfel zu versorgen. Direkt nach dem Einstieg in den Bilgeri-Gedächtnisweg trafen wir auf dieses Bänkchen. Weil es sich auf einem schmalen Sims mitten in der senkrechten Wand befand, lud es uns sofort zu einem Schnappschuss ein.

Recht unspektakulär führen die gut angelegten Drahtseilversicherungen nach oben.

 

Kurz unterhalb des Gipfels stießen wir auf die Spuren des Österreichischen Kriegslagers, das im Schutz eines Felsriegels errichtet worden war.

Der Gipfel des Monte Piano befindet sich auf einer langgezogenen Hochfläche. Nur durch eine Senke getrennt befindet sich in etwa 500 m Entfernung eine weitere Erhebung, der Monte Piana. Da sich dieser Felskopf mit den beiden Erhebungen unmittelbar am Taldurchbruch nach Cortina d´Ampezzo befindet, hatte dieser Berg im 1. Weltkrieg eine ganz besonders wichtige, strategische Rolle. Deshalb wurden die beiden Erhebungen sofort von den beiden Kriegsparteien besetzt und bis zum Kriegsende in erbitterten Stellungskriegen verteidigt. Vor einigen Jahren wurden die ganzen Stellungsreste ausgegraben und können heute als makaberes Freilichtmuseum besichtigt werden.

Der Monte Piano bietet aber auch angenehme Möglichkeiten, denn er ist ein excellenter Aussichtsberg. Inmitten von kleineren Dolomitengruppen gelegen, kann man ein einmaliges Rundpanorama genießen. Besonders schön ist der Blick hinüber zu den Drei Zinnen und zum Tobliner Knoten (links neben der Dreizinnenhütte), den wir nun einmal aus einer anderen Perspektive betrachten konnten.

Leider wirkte das Tiefdruckgebiet noch nach, so dass es am Mittwoch, 05.09.2007, bis 1.300 m hinunter schneite. So blieb uns nichts weiter übrig, als einen Spaziergang zur Talschlusshütte (1.548 m) zu unternehmen, die sich mit einem weißen Dach präsentierte.

So war natürlich auch am nächsten Tag kein Klettersteig machbar. Im verschneiten Wald stiegen wir zur Bertihütte auf. Beim Überschreiten eines Passes waren wir dem eisigen Wind voll ausgesetzt.

Bei der Querung eines Latschenhanges konnten wir dann den Zackengrat bewundern, den wir heute eigentlich auf dem Roghell-Klettersteig hatten überschreiten wollen.

Immerhin hatten wir bei unserem Spaziergang doch 750 Höhenmeter bewältigt, so dass wir uns bei der Einkehr in der Bertihütte (1.950 m) und der Lunelli-Hütte (1.568 m) mit südtiroler Köstlichkeiten verwöhnen ließen.

Wir hatten zwar gehofft, dass wir am letzten Tourentag dann doch noch einen Gipfel besteigen könnten, doch der Schnee war wegen der Kälte in den höheren Regionen noch nicht abgeschmolzen. So beschlossen wir, den Paternkofels zu umrunden.

An der Mautstraße die vom Misurinasee zur Auronzohütte (1.920 m) führt, kann man die Westliche und die Große Zinne einmal von einer ganz anderen, nicht so markanten Seite kennen lernen.

Paul Grohmann, der maßgeblich an der Erschließung der Dolomiten beteiligt war und dem hier ein Denkmal gesetzt wurde, war am 21.08.1869 die Erstbesteigung der Großen Zinne geglückt.

 

 

Leichte Schneespuren vor dem Bilderbuchpanorama der Drei Zinnen.

 

 

Unterhalb der Westwand des Paterkofels querten wir hinüber zur Drei-Zinnen-Hütte, wo wir am Ende der Woche wieder auf den Toblinger Knoten stießen, den wir ja am ersten Tag bestiegen hatten.

 

An der Ostflanke querten wir dann hinüber zum Büllelejoch (2.528 m).

Doch hier war uns die „Bergeinsamkeit“ gegönnt, denn viel Bergwanderer hatten sich das gleiche Ziel ausgesucht.

So blieb uns nur der Rückweg über den Cengiasee zurück zum Ausgangspunkt. Mit diesem idylischen Bild verabschiedeten wir uns von den Sextener Dolomiten, die wir eine Woche kreuz und quer durchwandert hatten.

Bericht und Bilder von Norbert Klein.

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