Aug 07 2014

In Fels und Firn – Bergsteigen im Rosenlauital (18. – 20.07.2014)

Geschrieben von um 19:50 unter Allgemein,News,Tourenberichte

 

Mein Freund Ulrich Leuthner hatte mit Abstand die weiteste Anreise. Der Pfälzer, der seit 14 Jahren in Südkalifornien arbeitet und lebt, traf bereits am Vorabend bei mir ein. Mit gutem Pfälzer Wein stimmten wir uns auf die Tour ein…

Am Freitagmorgen dann Fahrt zu unserem Treffpunkt in Kappel-Grafenhausen bei Martin Bauer, wo wir zeitgleich mit Stefan Münchbach eintrafen. Somit war unser Team komplett, nachdem Jochen Wörner leider aufgrund einer Fußverletzung kurzfristig absagen musste. Kurzes Material umladen dann in Martins Jeep, dann ging die Fahrt auch schon los ins schöne Rosenlauital im Berner Oberland.

Der Wetterbericht versprach für die ersten beiden Bergtage stabiles und sonniges Hochdruckwetter. Nach einer ruhigen Fahrt erreichten wir mit dem altehrwürdigen Hotel Rosenlaui einen einmalig gelegenen Startpunkt. Mit Blick auf die Engelhörner und direkt am Eingang einer spektakulären Gletscherschlucht, auf 1360 m.

   

Über gesicherte Stege und Treppen steigen wir mit schwerem Gepäck aufwärts durch die düster-schaurige Klamm, sehr sehenswert!

  

   

Am Ausstieg wartet ein lichtdurchfluteter Bergwald. Wie ein Adlerhorst klebt die 2.663 m hohe Dossenhütte, unser heutiges Ziel, oben am Felsgrat. Schon der Weg zur Hütte ist äußerst abwechslungsreich, ausgesetzt und auch schon eine satte Bergtour.

  

                                                      

  

Sehr nett wurden wir von Cyrille und ihrem netten Hüttenteam empfangen. Die urige Hütte wurde neu renoviert, und die Verpflegung ist wirklich sehr gut. Tip top, kann man nur weiterempfehlen!

   

Da nur noch der Samstag mit Aussicht auf gutes Bergwetter war, und für Sonntag eine Kaltfront, mit Schauern und Gewittern ab den Mittagsstunden vorausgesagt war, musste ich meinen ursprünglichen Tourenplan abändern. Eigentlich war für unseren 1. Tourentag nur eine kleinere Tour auf den Dossen (+ evtl. Ränferhorn) geplant, um dann am 2. Tag, bereits etwas aklimatisiert, die lange Tour auf das Wetterhorn anzugehen. Das war mit der Wettervorhersage jedoch nicht mehr möglich. So wollten wir versuchen Dossen und Wetterhorn an einem Tag zu besteigen. Lang, anspruchsvoll, aber machbar.

  

Oben links der Dossen mit seinem Dossengrat/ Rechts: kurz vorm Abmarsch

Gleich hinter der Hütte beginnt der luftige Kletterei über den Dossengrat auf den 3.138 m hohen Dossen. Um 5 Uhr steigen wir im Schein unserer Stirnlampen in den Grat ein, wo wir sehr schnell an Höhe gewinnen.

  

  

   

  

Die Plaisirkletterei (II-III) macht viel Spaß, mehrere Seilschaften werden überholt und schneller als erwartet haben wir unser 1. Teilziel, den Dossengipfel erreicht.

Weite Gletscherlandschaften liegen vor uns. Es dominieren Rosenhorn, Mittelhorn und ganz hinten rechts unser nächstes Ziel, das Wetterhorn. Ab jetzt sind wir alleine unterwegs beim Spuren wir durch den jungfräulichen Schnee. 

  

  

 

Beim Abstieg vom Dossen auf den Rosenlauigletscher müssen wir zunächst ca. 250 mühsam erstiegene Höhenmeter wieder steil absteigen, bevor wir zu Füßen des Mittelhorns zum Wellhornsattel ansteigen. Auf der anderen Seite ging es wieder hinunter, bevor wir flankiert von Mittelhorn und Wetterhorn schließlich den 3.502 m hohen Wettersattel erreichten. Schöne Ausblicke auf Grindelwald, Eiger-Mittellegigrat, Mönch und Co. inklusive.

   

 

Vom Wettersattel stiegen wir zunächst einen ca. 100 m hohen Firngrat hoch, bis uns die ausgearperte Firnflanke dazu zwingt immer mehr in kleinsplittriges, nasses Kalkfelsgelände auszuweichen. Das Klettern über das heikle, zum Teil schneebedeckte Felsgelände forderte äußerste Vorsicht und war zeitaufwendig. In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit, des sehr langen Rückweges und der aufziehenden Schlechtwetterwolken entschieden wir uns in einer Gemeinschaftsentscheidung, die Tour ca. 80 Höhenmeters unter dem nahen Gipfel abzubrechen. Sicherheit geht vor! Das gegenüberliegende Mittelhorn wäre die sicher deutlich leichtere Option gewesen.

 

 

Also wieder vorsichtiger Abstieg zurück zum Wettersattel und unseren Aufstiegsspuren folgend in einigen Auf- und Abs über die weiten Gletscherflächen wieder zurück zum Dossen, den wir durch interessantes alpines Felsgelände in seiner Westflanke bis zum Dossensattel querten. Über die Ostflanke, dem Dossen-Normalweg, erreichten wir schließlich wieder die gemütliche Dossenhütte. Das Abendessen schmeckte wieder hervorragend, und auch die Weizen und Radler hatten wir uns redlich verdient! Eine lange, aber alpinistisch sehr abwechslungsreiche Hochtour lag hinter uns.

  

  

Den Sonntag ließen wir dann ganz entspannt angehen. Wie angekündigt hatte das Schlechtwetter der Kaltfront die Gegend erreicht, dunkle Wolken standen am Horizont, eine Tour wäre nicht mehr sinnvoll gewesen. Nach einem ausgiebigen Frühstück hieß es Rucksack packen, Abschied vom netten Hüttenteam nehmen, und den steilen Hüttenweg wieder absteigen ins wildromantische Rosenlauital.

  (von links: der Autor, Stefan, Ulrich + Martin bei der „Schwarzwaldalp“

Bevor wir die Heimfahrt antraten kehrten wir noch in die „Schwarzwaldalp“ ein, einem schönen Berggasthaus mit Blick auf die gewaltige Felsmauer von Wellhorn und Wetterhorn, die hier steil zur Großen Scheidegg abbricht. Am Nachmittag dann noch Kaffeetrinken, die selbstgebackenen guten Teilchen von Familie Bauer in Kappel-Grafenhausen genießen und ein kühles Abschlussbierchen. Auch das gehört dazu zum Bergsteigen und zu einer gelungenen Bergtour! Zum Schluss noch ein Dank an meine Teilnehmer, ihr habt toll mitgezogen, hat Spaß gemacht!

 

Michael Mühe, FÜL Hochtouren

2 Kommentare

2 Kommentare to “In Fels und Firn – Bergsteigen im Rosenlauital (18. – 20.07.2014)”

  1. Ulrich Leuthner sagt:

    Das war eine wunderschoene Tour & tolle Gruppe!

    Ulrich

  2. Christian Feldmer sagt:

    Hallo Michael
    Schöne Tour, gute Bilder!
    Ich freue mich schon auf die Zimba-Überschreitung mit Dir, die mindestens genau so gut wird
    Gruß aus Lahr
    Christian

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