Sep 05 2016

L’Évêque (3716 m)

Geschrieben von um 10:57 unter News,Tourenberichte

Zum Saisonabschluss stand mit dem L’Évêque noch einmal ein hohes Ziel auf dem Tourenprogramm. Mit Christel, Juliane, Gerhard, Heinz, Jürgen (2x), Klaus und Mathias hatten sich gleich acht Teilnehmer angemeldet. Eine zu große Anzahl für eine einzige Tour. Nach reiflicher Überlegung entschloss ich mich, die Tour zweimal durchzuführen.

 

Der Gipfel, leicht links der Bildmitte. Der Aufstieg führt über den geneigten Gletscher hinauf.

Der Gipfel, leicht links der Bildmitte. Der Aufstieg führt über den geneigten Gletscher.

Am 2.09.  ging es los. Um 5:30 Uhr traf ich mich mit Christel, Heinz, Jürgen und Klaus in Grafenhausen. Von hier fuhren wir nach Arolla. Auf einem Wanderparkplatz, der Christel und mir bereits von einer Hochtour aus dem Jahr 2014 bekannt war, richteten wir uns. Ein fehlender Wegweiser und viele vom Parkplatz aus wegführende Wanderwege sorgten anfänglich für Verwirrung. Bald hatten wir aber unseren Aufstiegsweg gefunden. Über eine Moräne und einen mit metallenen Trittstufen gesicherten Steig, erreichten wir einen „Logenplatz“ mit bester Sicht auf den zur Hütte führenden Gletscher.

 

Blick auf den Gl. de Tsijore Nouve

Hüttenaufstieg: Blick auf den Gl. de Tsijore Nouve (nicht der Aufstiegsgletscher)

 

Hüttenaufstieg

Hüttenaufstieg

 

Hier zogen wir Steigeisen an und gingen die letzten 450 Höhenmeter am Seil gesichert bei Sonnenschein zur Hütte. Ein sehr freundliches und fremdsprachlich versiertes Hüttenteam begrüßte uns. Wir hatten auf der mit ca. 50-60 Personen halbvoll belegten Hütte ein Zehn-Bett-Zimmer für uns allein.

 

Die schön gelegene Cabane des Vignettes

Die schön gelegene Cabane des Vignettes

 

Nach dem Abendessen richteten wir unsere Rucksäcke und gingen gegen 20:30 Uhr ins Bett. Frühstück gab es für Westalpenverhältnisse sehr spät. Erst um 5:30 Uhr konnten wir Rührei, Pfannkuchen und Speck genießen. Zwei Teilnehmer fühlten sich an diesem Morgen allerdings gesundheitlich nicht so wohl, dass sie sich den dreieinhalbstündigen Aufstieg zutrauten. Somit gingen wir zu dritt los.

Das übliche Ziel von der Hütte aus ist der Pigne d’Arolla. Da ich diesen bereits vor zwei Jahren im Programm hatte und einige der diesjährigen Teilnehmer auch dabei waren führte uns unser Weg am heutigen Tag auf den L’Évêque.

Der Aufstieg auf diesen ist mit einer Stunde Mehraufwand im Vergleich zum Pigne d’Arolla verbunden, da man hier zuerst einmal knapp 150 Höhenmeter absteigen muss. Anschließend quert man eine flache aber lange Gletscherpassage. Nach etwas mehr als einer Stunde waren wir darüber hinweg und richteten uns für den Schlussaufstieg. Wir kamen zügig voran und waren nach 2,5 Stunden am Gipfelblock.

 

Alpenpanorama

Alpenpanorama, im Hintergrund der Mont Blanc

 

Ein 30 m hoher felsiger Aufschwung, welcher leider in dem ein oder anderen Bergführer zu wenig Erwähnung findet, war noch im Weg. Diesen erkletterten wir vorsichtig, da hier viel lockerer Schutt herumliegt. Wäre dieser Gipfel und nicht der Pigne d’Arolla das Hauptziel von der Hütte aus, läge mit Sicherheit nicht mehr so viel loses Geröll an dieser Stelle. Anschließend erreichten wir nach wenigen Minuten den Gipfel. Wir hatten tolles Wetter und konnten 20 Minuten rasten. Daraufhin stiegen wir zügig ab und erreichten bereits um 12 Uhr die Hütte.

Bei gutem Wetter hatten wir den Gipfel erreicht und waren sehr zeitig wieder an der Cabane des Vignettes. Darum war für mich etwas unverständlich, dass die Tour von einem Teilnehmer sowohl beim Auf- als auch beim Abstieg unter einer intensiven verbalen Kritik stand.

 

Im Aufstieg: Rückblick auf den Pigne d'Arolla.

Im Aufstieg: Rückblick auf den Pigne d’Arolla.

 

Nach einer Pause stiegen wir angeseilt den Gletscher hinunter. Am o.g. „Logenplatz“ war kurz vor unserem Eintreffen die zweite Gruppe unter Führung der Wanderleiterin Juliane Kuhner eingetroffen. Dann wurde getauscht. Während die erste Gruppe die letzten Höhenmeter auf dem markierten Hüttenweg selbständig abstieg richteten sich Juliane, Gerhard, Jürgen und Mathias für den Gletscheraufstieg zur Hütte.

 

Über diesen Gletscher steigt man zur Hütte hinauf. Diese liegt rechts von der kleinen Felsspitze in der Bildmitte.

Über diesen Gletscher steigt man zur Hütte hinauf. Diese liegt rechts von der kleinen Felsspitze in der Bildmitte.

 

In etwas mehr als einer Stunde hatten wir den Schlussanstieg geschafft. Das Wetter war immer noch hervorragend. So konnten die Teilnehmer auf der exklusiv gelegenen Hütte den Sonnenschein genießen. Aus organisatorischen Gründen erhielten wir ein anderes Zimmer. Kleiner aber schnucklig war das Sieben-Bett-Zimmer. Wieder aßen wir um 18:30 Uhr zu Abend und gingen früh ins Bett.

Das Frühstück war wiederum genauso hervorragend wie am Morgen zuvor. Auf früheren Touren hatte ich oft erlebt, dass es bei so einer Gruppengröße beim morgendlichen Richten bzw. beim Anziehen von Steigeisen/Gurt (während der Hochtour) zu Verzögerungen kommt, da die Teilnehmer hierbei ein unterschiedliches Tempo an den Tag legen. Heute war alles anders. Alle Gipfelaspiranten waren sehr schnell gerichtet.

Bereits wenige Minuten nach sechs Uhr konnten wir starten. Wieder stiegen wir den felsigen Abhang hinunter auf den zum Gipfel führenden, anfänglich flachen Glacier du Mont Collon. In recht direkter Linie, hin- und wieder verlängert durch Gletscherspalten, erreichten wir den Bergschrund vor dem Gipfel. Es waren gerade einmal zwei Stunden vergangen. Genauso zügig wie o.g. Vorbereitungshandlungen gestaltete sich auch der Aufstieg unserer Gruppe.

Für den letzten steileren Anstieg verkürzten wir die Seilabstände und erreichten wiederum die 30 m hohe Kletterstelle. In für eine Gruppe dieser Größenordnung sehr schnellen Zeit (keine 30 min) durchkletterten wir diese Schlüsselstelle und waren in etwas mehr als drei Stunden auf dem Gipfel. Das Wetter war nicht mehr ganz so gut wie am Tag zuvor; hatte sich doch eine Kaltfront für den Nachmittag angekündigt und erste Vorboten vorausgeschickt. Daher war die Gipfelpause etwas kürzer als am Vortag.

Gipfelpause

Gipfelpause

Auf dem Abstieg kam dann doch noch die Sonne heraus. Ausgerechnet auf der Gegensteigung kurz vor der Hütte brannte sie noch einmal richtig herunter. Kurz nach 12 Uhr war die Hütte erreicht. Eine so frühe Ankunftszeit hatte ich aufgrund der Gruppengröße nicht erwartet. Grund hierfür war die hervorragende Fitness, ein sehr zeitoptimiertes Vorbereitungs- und Rüstverhalten sowie die professionelle Einstellung aller Teilnehmer. Wir machten lediglich noch eine kurze Pause, da wir das noch gute Wetter auch für den Abstieg „nutzen“ wollten. Schon nach zwei Stunden hatten wir den Parkplatz erreicht. Das Timing war perfekt, regnete es doch bereits eine Stunde später (auf der Rückfahrt).

Nicht nur den „alten Berghasen“ Juliane, Gerhard und Jürgen hatte die Tour gefallen; auch für den Hochtourenneuling und leidenschaftlichen Kletterer Mathias war es ein tolles Erlebnis.

 

Im Normalfall gilt: Je größer die Gruppe, desto anstrengender wird die Tour für den Tourenführer. Diesmal war es ausnahmsweise umgekehrt.

Telefonische Kommunikation in anderer Sprache: So hatte die Hüttenwirtin meinen Namen am Telefon verstanden.

Telefonische Kommunikation in anderer Sprache: So hatte die Hüttenwirtin meinen Namen am Telefon verstanden.

Ein Kommentar

Ein Kommentar to “L’Évêque (3716 m)”

  1. Gerhard Keifel sagt:

    Toller Bericht von einer tollen Tour !!!
    Vielen Dank an Kuner Sisler und alle die dabei waren.
    Gerhard

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