Jul 14 2019

Aussichtsreiche Hochtouren im Wallis, vis-á-vis des Nadelgrates 30.06. – 02.07.19

Geschrieben von um 18:39 unter Allgemein,News,Tourenberichte

 

              
Wenige Stunden zuvor saß ich noch gemütlich auf der Gartenparty meiner Schwester Susanne, und wir feierten ihren 50. Geburtstag. Nun rappelt, gefühlt viel zu früh, erbarmungslos mein Wecker und reist mich aus einem kurzen Schlaf. Es hilft alles nichts, da muss ich durch. Eine halbe Stunde später kommt Ulrich, gemeinsam fahren wir zu Jochen nach Lahr. Zu Dritt fahren wir ins Mattertal im Wallis.

Als wir bei unserem Ausgangspunkt in Gasenried ankommen sind die Umstände zwar einen Tick angenehmer als in der Rheinebene (schwüle 38° Grad), aber gefühlt waren uns auch die 25° Grad auf 1600 m deutlich zu warm zum Bergsteigen. Gerhard und Sabine hatten den langen und schweißtreibenden Aufstieg zur Bordierhütte auf 2.886 m bereits hinter sich, sie waren bereits 2 Tage zuvor angereist. Nun hieß es auch für Jochen, Ulrich und mich den schweren Rucksack zu schultern und die Komfortzone zu verlassen…

Bevor wir in Serpentinen durch den Bergwald ansteigen versuchen wir möglichst noch jeden Schatten der letzten Häuser von Gasenried auszunutzen. Auf 2. 100 m erreichen wir die wunderschön gelegene Alp Alpja in einer Moränenmulde. Weit oben ist der immer noch mächtige Riedgletscher und auch bereits Teile des berühmten Nadelgrates sichtbar. Wenn der schwere Rucksack und die Hitze nicht wäre könnte man die herrliche Umgebung in dieser ursprünglichen und sehr ruhigen Landschaft sicher mehr genießen. Nur das von überall herunterrauschende Wasser der Wasserfälle und das vom Gletschertor des Riedgletschers abfließende Schmelzwasser ist zu hören. Erst 3 Stunden später treffen wir wieder auf Leute, die gerade von der Bordierhütte absteigen.

  

 

  

   

Stetig aufwärts geht es bis auf 2700 m hoch, eher wir wieder einige Meter abgeben müssen, als wir zum Riedgletscher absteigen. Der Gletscher hier unten ist aper, weshalb wir nicht am Seil gehen müssen. Kleinere Bäche müssen noch überquert werden, bevor wir abschließend über eine mit Ketten, Seilen und Leitern gesicherte Felsstufe schließend die Hütte erreichen. Begrüßung von Sabine und Gerhard, die sich gemütlich auf der Hüttenterrasse sonnen.

       

Im Schein unserer Stirnlampen stehen wir am nächsten Morgen um 04:45 Uhr abmarschbereit vor der Hütte und steigen über meist wegloses Gelände zum Riedgletscher hoch, den wir auf ca. 3200 m erreichen. Hier seilen wir an. Aufgrund des niederschlagsreichen Frühjahrs war der Gletscher hier gut eingeschneit und die Schlüsselstelle des Aufstiegs, der Gletscherbruch, war gut zu begehen. Trotzdem müssen wir natürlich wegen der gewaltigen Spaltenzonen die nötige Vorsicht walten lassen. Vor uns war nur eine 4-köpfige englische Seilschaft, die ihren fast kompletten Sommerurlaub bergsteigend im Wallis verbringt. Das Wetter sah anfangs etwas unsicher aus, es wurde dann aber immer besser. Ein schöner Tourentag!

  

  

  

Auf ca. 3400 m diskutierten wir kurz ob wir das nahe Ulrichshorn (3.925 m) noch mitnehmen sollten. Da die Meinungen hierzu jedoch unterschiedlich ausfielen verzichteten wir auf eine Besteigung, stattdessen gingen wir nun direkt zum Riedpass hoch. Wir seilten wir uns ab und legten ein kurzes 2. Frühstück ein.

  

 

  

 

Über den felsigen Südgrat (Stellen I – II) klettern wir nun hoch zum 3.796 m hohen Balfrin. Während der ganzen Zeit immer sehr schöne Ausblicke auf den gegenüberliegenden Nadelgrat (Dürrenhorn, Hohberghorn, Stecknadelhorn und Nadelhorn). Hinterm Nadelhorn ist die noch immer eindrucksvolle Nordwand der Lenzspitze sowie die Gipfelregion des Dom sichtbar. Direkt neben uns das Ulrichshorn, über den auch eine Übergangsmöglichkeit  zur Mischabelhütte besteht. Viele weitere Gipfel vom Wallis und von Berner Oberland können wir während unserer Gipfelrast bestaunen. Gipfelziele und Erinnerungen früherer Bergsommer….

  

  

Nach der Vesperpause stiegen wir zunächst 100 Höhenmeter nach NW ab, dann geht’s nochmal hoch bis auf 3.782 m, zu einem Nebengipfel des Balfrin. Von hier führt eine 40° steile Schneeflanke hinunter in eine Schwarte zwischen Balfrin und Groß Bigerhorn. Von dieser Schwarte ging es dann für heute letztmals bergauf. Als es nicht mehr höher ging hatten wir über felsiges Ier und IIer Gelände das 3.626 m hohe Groß Bigerhorn erreicht. Da das Wetter stabil blieb, und wir nicht in Zeitdruck waren, konnten wir das schöne Gipfelpanorama und die Ruhe genießen. Bis auf die englische 4er Seilschaft aus Leeds, die wir im Abstieg noch überholten, und uns waren heute niemand unterwegs. Das entschädigt dann wieder für die Strapazen, die wir vor allem am Vortag beim Hüttenaufstieg hatten.

Die Felsen von Balfrin und Groß Bigerhorn sind an der Gratschneide einigermaßen fest, in den Flanken jedoch sehr brüchig und schuttig. Der abschließende Abstieg vom Bigerhorn über den Westrücken zurück zur Hütte war einfach, jedoch sehr mühsam. Ein einziger Schutthaufen! Zum Glück müssen wir den nur im Abstieg begehen…. Insgesamt jedoch eine sehr schöne Überschreitung, auch in Kombination mit dem Gletscheraufstieg und landschaftlich sehr schön!

 

Zurück auf der Bordierhütte ließen wir dann den schönen Tag mit leckerem Kuchen, und später dann mit Älplermagronen ausklingen. Während wir unseren Durst mit kühlem Radler oder Bier löschten, leckte vor der Hütte ein prächtiger Steinbock Salz und Mineralien von den Steinen.

  

Über Nacht hatte es die Felsen vom Nadelgrat und die Gipfel unserer gestrigen Tour weiß überzuckert. Aber die Sonne schien bereits wieder als wir ins Tal abstiegen. Auf dem aperen unteren Riedgletscher mussten wir sicherheitshalber nochmals kurz die Steigeisen anlegen, da die über Nacht durchgefrorenen Flächen rutschig waren. Da wir uns an die Höhe nun auch bereits etwas gewöhnt hatten, viel uns der Abstieg zurück nach Gasenried auch nicht mehr sehr schwer, anders als noch vor 2 Tagen beim Aufstieg….

   

Schöne Tage am Berg mit netter Gruppe gingen zu Ende. Schön war´s!

Michael Mühe

FÜL Hochtouren

 

 

 

Ein Kommentar

Ein Kommentar to “Aussichtsreiche Hochtouren im Wallis, vis-á-vis des Nadelgrates 30.06. – 02.07.19”

  1. Ulrich sagt:

    Schöne Tour und schöner Bericht.
    Danke für’s Führen, Michael!

Kommentar schreiben


× 4 = vier